Programm

ab 09:00 Uhr

Anmeldung mit Kaffee, Obst & Laugengebäck

09:30 – 09:50 Uhr

Begrüßung

09:50 – 10:50 Uhr

Vortrag und Diskussion: Deutsche Außenpolitik in der Zeitenwende

Prof. Dr. Johannes Varwick (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Deutsche Außenpolitik in der Zeitenwende: Die internationale Ordnung gleicht bereits seit einigen Jahren eher einer Un-Ordnung. Kriege wie in Afghanistan, Libyen, Jemen oder Syrien zeigen die Unfähigkeit der internationalen Gemeinschaft, Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten. All dies vollzieht sich vor dem Hintergrund einer zunehmenden Rivalität zwischen China und den USA, die die internationale Politik beeinflusst. Mit dem Klimawandel ist zudem eine neue Herausforderung sichtbar, die Lebenschancen auf der Erde massiv bedroht. Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine liegt auch die europäische Friedensordnung in Trümmern. Wie ist diese sicherheitspolitische Zeitenwende zu bewerten? Vor welchen Herausforderungen steht die internationale und europäische Sicherheitspolitik und haben wir die richtigen Strategien und Instrumente? Welche Rolle spielen Vereinte Nationen, NATO und EU und muss sich deutsche Außen-und Sicherheitspolitik vollkommen neu aufstellen, um handlungsfähig zu sein? Reagiert Deutschland angemessen auf die „Zeitenwende“?

Prof. Dr. Johannes Varwick / Foto von Ralf John, CC BY-SA 4.0

10:50 – 11:00 Uhr

Vorstellung der Workshops

11:00 – 11:30 Uhr

Kaffeepause

11:30 – 13:00 Uhr

Workshopphase I

Workshop 1: Von der Gurkenverordnung bis zum Institutionenlabyrinth: Crashkurs zur Europäischen Union und ihrer Vermittlung

Philipp Klingler & Märthe-Maria Stamer

Die Europäische Union gilt mit ihren sieben Organen und ihrer Verflechtung im europäischen Mehrebenensystem als überkomplexes Konstrukt. Dabei stellt auch das negative Bild der EU als Bürokratiemonster mit einem erheblichen Demokratiedefizit eine zentrale Herausforderung bei der unterrichtlichen Vermittlung dar. In dem Workshop werden die Grundlagen des politischen Systems der EU vorgestellt und vor dem Hintergrund fachwissenschaftlicher Diskurse erörtert. Des Weiteren werden praxisnahe Methoden und Medien der EU-Vermittlung vorgestellt und erprobt.

Workshop 2: Sicherheitspolitik in einer prekären Weltordnung

Mona Klingenberg

Die Welt scheint unübersichtlicher denn je – Globalisierung, Klimawandel, Migrationsbewegungen und der Ukraine-Krieg sind nur einige Beispiele, die auch Einfluss auf das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung haben. Zum einen handelt es sich hierbei um klassische Felder von Sicherheitspolitik, zum anderen um Bereiche, die erst in der letzten Zeit Einzug in den politischen Diskurs unter Sicherheitsaspekten gehalten haben. In diesem Workshop wird konkretes Unterrichtsmaterial zu diesen Aspekten vorgestellt und anhand eines konkreten Fallbeispiels (inter)aktiv getestet. Ziel ist es, den Teilnehmenden Ideen für ihre Unterrichtsgestaltung zu geben, deren Einsatz zu proben und im themenzentrierten Austausch zu reflektieren.

Workshop 3: Der Nahostkonflikt als Unterrichtsthema – Wie können Kontroversität und Komplexität im israelisch-palästinensischen Konflikt im Unterricht dargestellt werden?

Michael Sauer

Die unterrichtliche Behandlung des israelisch-palästinensischen Konflikts stellt aufgrund seiner Dauer, der Komplexität und Emotionalität eine große Herausforderung für Lehrkräfte dar. Kaum ein:e Schüler:in bringt zu diesem Thema nicht eine emotionale Voreinstellung mit, eine Prägung, die zur Präferenz für eine der Konfliktparteien vor Ort beiträgt. Das liegt daran, dass dieser Konflikt in einer Region stattfindet, welche uns durch Religion, Kultur, Migration, kollektive Erinnerungen und Identitäten, aber auch durch die mediale Berichterstattung stark verbunden ist. In diesem Workshop geht es darum, an elementaren Aspekten und Stationen des Konflikts die Narrative der Konfliktakteure, das Entstehen ihrer Identitäten und Handlungslogiken aufzuzeigen, um eine differenzierte Auseinandersetzung der Schüler:innen mit diesem Lerngegenstand zu ermöglichen.

Workshop 4: “Von Windhuk nach Auschwitz?” – Historisch-politisches Lernen in postkolonialer Perspektive

Prof. Dr. Christina Brüning & Paul Scheidt

In diesem Workshop diskutieren wir zunächst gemeinsam die große aktuelle Streitfrage rund um die Einbettung der Shoah in eine Erzählung kolonialer Verbrechen (Rothberg, Moses, Friedländer usw.) und schauen uns einige empirische Erkenntnisse zur Vermittlung von Kolonialgeschichte und postkolonialer Deutungen im Unterricht und der Lehrer:innenbildung an. Dabei legen wir den Fokus nicht nur auf die Shoah, sondern viel mehr auf Kontinuitätslinien und Diskontinuitäten. Im Anschluss wollen wir gemeinsam verschiedene Unterrichtssettings analysieren und Unterrichtsvorschläge produktiv ergänzen und weiterdenken.

13:00 – 14:00 Uhr

Mittagspause mit Imbiss

14:00 – 15:30 Uhr

Workshopphase II

Workshop 5: Die Europäische Union erfahrbar machen:
Handlungsorientierte Methoden der Vermittlung

Märthe-Maria Stamer

Der Bezug der EU als komplexes, supranationales Konstrukt zur eigenen Lebenswelt ist Schüler:innen oft nicht unmittelbar bewusst. Die Verbindung zwischen Entscheidungen auf EU-Ebene und ihrem Alltag wird häufig nicht erkannt. Wie kann aber eine gelingende Verknüpfung von EU und Alltagswelt von Schüler:innen aussehen? Wo gibt es vielversprechende Anschlusspunkte? Wie können insbesondere wenig und sog. „schwer erreichbare Zielgruppen“, beispielsweise an Berufsschulen, angesprochen werden? In diesem Workshop werden verschiedene Methoden der politischen Europabildung vorgestellt und erprobt sowie Chancen und Herausforderungen der EU-Vermittlung diskutiert.

Workshop 6: Sicherheitspolitik in einer prekären Weltordnung

Mona Klingenberg

Die Welt scheint unübersichtlicher denn je – Globalisierung, Klimawandel, Migrationsbewegungen und der Ukraine-Krieg sind nur einige Beispiele, die auch Einfluss auf das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung haben. Zum einen handelt es sich hierbei um klassische Felder von Sicherheitspolitik, zum anderen um Bereiche, die erst in der letzten Zeit Einzug in den politischen Diskurs unter Sicherheitsaspekten gehalten haben. In diesem Workshop wird konkretes Unterrichtsmaterial zu diesen Aspekten vorgestellt und anhand eines konkreten Fallbeispiels (inter)aktiv getestet. Ziel ist es, den Teilnehmenden Ideen für ihre Unterrichtsgestaltung zu geben, deren Einsatz zu proben und im themenzentrierten Austausch zu reflektieren.

Workshop 7: Lernweg Analyse internationaler Konflikte – kann eine Beschäftigung mit Krieg und Gewalt die politische Sozialisation junger Menschen stärken?

Dr. Andreas Füchtner

Die Beschäftigung mit Konflikten und Gewalt im internationalen System ist durchaus ambivalent: Einerseits kann sie dazu beitragen, den politischen Horizont Heranwachsender deutlich zu erweitern. Andererseits kann sie in Zukunftsangst und Politikskepsis münden, gerade wenn die Grenzen politischer Rationalität spürbar und die Fragilität des Friedens konkret wird. Der Workshop geht daher der Frage nach, ob und was junge Menschen durch eine reflexive Auseinandersetzung mit der existentiellen Grenzsituation Krieg lernen können und welche Bedeutung eine fachdidaktisch fundierte Beschäftigung für ihre politische Sozialisation haben kann.

Workshop 8: Völkerstrafrecht: Einblicke in seine Anwendung und Wahrnehmung

Kristine Avram

Das Internationale Militärtribunal von Nürnberg verkündete nach dem Zweiten Weltkrieg: „Verstöße gegen das Völkerrecht werden von Menschen begangen, nicht von abstrakten Einheiten“. Die damit verbundene Übertragung des Grundsatzes der individuellen Verantwortlichkeit in das staatsorientierte Völkerrecht kam einer Revolution gleich. Sie ist Zeugnis des Bestrebens, der Straflosigkeit für schwerste Verbrechen, wie Völkermord, ein Ende zu setzen. Das Völkerstrafrecht (VStR) ahndet demnach Verbrechen, die nicht einen einzelnen Staat sondern die Weltgemeinschaft als solche betreffen. Der Workshop gibt zunächst einen Überblick über die Anwendung des VStR durch (inter-)nationale Gerichte. Hiernach beleuchtet er die Wahrnehmung des VStR mit einem Fallbeispiel aus Rumänien.

15:30 – 16:00 Uhr

Evaluation und Verabschiedung

ab 16:00 Uhr

Offener Austausch bei Kaffee & Gebäck

Die Referent:innen

Eröffnungsvortrag

Prof. Dr. Johannes Varwick ist Lehrstuhlinhaber für Internationale Beziehungen und europäische Politik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und war von 2019 bis 2021 Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik. Seine Forschungsschwerpunkte liegen u. a. in den Themenfeldern Internationale Beziehungen und europäische Politik, NATO und Vereinte Nationen sowie in der europäischen und deutschen Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Workshops

Kristine Avram ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen u. a. im Themenfeld der Transnational Justice.

Prof. Dr. Christina Brüning ist Professorin für Didaktik der Geschichte an der Philipps-Universität Marburg. Zuvor war sie nach Studium und Referendariat in Berlin zunächst Studienrätin für Geschichte, Politik und Englisch. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen u. a. in der Holocaust Education und im historisch-politischen Lernen.

Dr. Andreas Füchter ist Lehrer, ist Fachleiter am Studienseminar für Gymnasien Heppenheim und Lehrbeauftragter an der TU Darmstadt. Er ist Autor mehrerer Schulbücher und fachdidaktischer Beiträge zum politischen Lernen.

Mona Klingenberg ist Studienrätin für die Fächer Politik, Wirtschaft und Französisch und akademische Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Philipp Klingler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Zuvor studierte er Deutsch und Politik/Wirtschaft für das gymnasiale Lehramt sowie Politikwissenschaft. Zu seinen inhaltlichen Schwerpunkten gehören u. a. politische Europabildung und Demokratiebildung.

Michael Sauer ist Studiendirektor an einem rheinland-pfälzischen Gymnasium und pädagogischer Mitarbeiter am Fachgebiet Fachdidaktik Sozialkunde an der TU Kaiserslautern. Er ist Autor mehrerer Schulbücher und Unterrichtsmaterialien zum Nahostkonflikt und Vorsitzender der DVPB Rheinland-Pfalz.

Paul Scheidt studiert Deutsch und Politische Bildung für das gymnasiale Lehramt an der Universität Potsdam. Darüber hinaus ist er wissenschaftliche Hilfskraft am Arbeitsbereich Inklusive Deutschdidaktik. Gegenwärtig arbeitet er an seiner Masterarbeit zum Zusammenhang von rassismuskritischer Bildung und Erziehung nach Ausschwitz in der Lehrer:innenbildung.

Märthe-Maria Stamer ist politische Bildnerin und lehrt u. a. an der Hochschule Bremen im Studiengang Soziale Arbeit. Zuvor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Jean-Monnet-Projekt „JUMPER – Junge Menschen erreichbar machen mit politischer Europabildung“ an der Georg-August-Universität Göttingen tätig.